Neuer Weltrekord-Ritt über den ÄrmelkanalWeber Motor im Rinspeed "Splash" holt mit Off-Shore-tüchtigem Tragflügel-Schwimm-Auto Weltrekord
Schweizer Autodesigner Rinspeed etabliert
Dover (GB) / Sangatte (F) – Es war ein abenteuerlicher Wellen-Ritt von der britischen Hafenstadt Dover über den Ärmelkanal zum französischen Örtchen Sangatte am 26. Juli 2006. Und es ist die schnellste Überquerung der meist befahrenen Wasserstraße der Welt, die jemals mit einem Tragflügel-Automobil gelang. In der Weltrekordzeit von 193 min 47 sec. etablierte der Pilot Frank M. Rinderknecht, Boss der Schweizer Design- und Konzeptschmiede Rinspeed einen neuen Weltrekord. „Es war wie ein Riesen-Slalom auf einer alpinen Buckelpiste. Nur dass wir nicht biegsame Stangen, sondern ausladende Tanker und Containerschiffe umrunden mussten“, kommentierte er überglücklich den gelungenen Guinness-Buch-Rekord. Ein harter Schlag einer grossen Welle im ersten Drittel der Passage verursachte einen noch unbekannten Defekt, welcher die Spitzengeschwindigkeit für den Rest der Überfahrt massiv verringerte. „Aber Umkehren kam nicht in Frage, Ankommen war das erklärte Ziel“.
Die Basis für den nun erzielten spektakulären Weltrekord ist der Rinspeed „Splash“, der bereits auf dem Genfer Automobilsalon 2004 für Furore sorgte. Nicht ohne Grund: Mit dem „Splash“ realisierte Rinspeed ein völlig neues Konzept für Amphibienfahrzeuge. Denn während „normale“ Schwimmautos wie ein Boot das Wasser verdrängen und dabei mehr oder weniger einer Badewanne ähneln, fliegt der „Splash“ auf ausfahrbaren Tragflügeln übers Wasser. Rinderknecht: „Wie auf einem Surfboard sind wir über die meist befahrene Wasserstraße der Welt geglitten.“
Die gelungene Rekordfahrt über die offene See war der sprichwörtliche Härtetest nicht nur für den Piloten, sondern vor allen Dingen fürs Material: Denn bei einer Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern, auf die der 140 PS starke Weber-Motor mit 750 Kubikzentimetern den „Splash“ beschleunigen kann, werden selbst kleine Wellen bretthart. Um genug Power für den Wellen-Ritt zu haben, lieferte die Firma Weber Motor eine neue Evolutionsstufe ihres leichten, verbrauchsgünstigen und umweltfreundlichen 750-ccm-Zweizylinder-Aggregats. Das extrem kompakte Kraftpaket leistet 140 PS/103 kW bei 7'000 /min. Das maximale Drehmoment von 150 Nm liegt schon bei 3'500 /min an.
Rein theoretisch wäre die gut 36 Kilometer lange Distanz zwischen Dover und Sangatte eine Sache von einer knappen halben Stunde gewesen. Doch Rinderknecht schränkt ein: „Die Top-Speed kann ich bei uns in der Schweiz auf dem spiegelglatten Zürichsee bei Windstille fahren, aber nicht auf einem der schwierigsten Seegebiete der Welt. Aber die Sicherheit stand stets an erster Stelle.“
Mit der Ankunft im französischen Sangatte hat er seinen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde sicher: Frank M. Rinderknecht mehr als glücklich: „Wir Schweizer machen eben nicht nur die köstlichste Schokolade. Wir bauen auch das schnellste Tragflügel-Auto der Welt - auch wenn wir nun wirklich keine Seefahrer-Nation sind …“.
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